geb. 31.03.1963, wohnt im Sauerland. Im Laufe der Jahre,
insbesondere während der Erziehung ihrer beiden Kinder
hat sie Jura, Theologie und Soziale Arbeit studiert.
Gedichte schreibt sie schon lange, veröffentlicht seit zwei
Jahren in verschiedenen Internetforen. Sie mag besonders:
Christine Lavant und Paul Celan. Es geht ihr um existentielle
Themen. Dabei versucht sie, mit der Welt auf Fühlung zu
gehen und Phänomene durch Worte spürbar zu machen.
Sie kann und will zu gar nichts schweigen.
Erinnerungen
Der Weg mäandert durch Erinnerungen.
Sein buntes Gras malt Flecken auf die Erde.
Es kann sich nicht entscheiden, blau zu sein.
Das Haus ruft aus den alten Fenstern,
ruft Kindernamen ins Geschrei vom Spielplatz her.
Gedanken baumeln zwischen Plastikeimern.
Sie suchen einen Ball, zwei Gummistiefel,
und finden in der eingesumpften Pfütze
den linken. Darin steckt eine Ringelsocke.
Mein Kind ließ ihn hier stehen - gestern.
Es ist am morgen aus dem Haus gegangen.
Der Wind hält seinen Namen in der Luft.
Die Wiese ehrt das Werden. Sie wiegt drei Meter
über Grund ein Hand-in-Hand-Geplapper
und legt mir eine Achse in das Rad.
Ja, aber...
Das Blau
in diesem Sack
war eine Sandkornnacht.
Dein einer Mund -
Ich flüstere ihm Lippen
um das Wort.
Welch eine Einsamkeit
kratzt meine Wangen rot?
Dein Schlaf.
Sei du um meinetwillen Mensch.
Ich bettele dir mich
aus dem Ja-aber.
Du gibst mir dann zurück,
dass ich ganz leise
deinen Morgen will.
Mein Glück?
So hoch zu sein,
dass deine Morgenvögel stimmen.
Ich wäre gern ein warmer Leib
und eine große Trommel,
nicht kalt und nicht im Schweigen.
Heimweh
Der alte Tag schlurft über´s Meer
in Lichtpantinen. Er folgt dem Brückenschlag
der Sonne. Und mit ihm rollen Lichterkreuze
Richtung Norden, zum Horizont.
Ich sitze auf dem Landungssteg und warte,
warte, dass mich etwas übersetzt
auf einem Taumelfloß aus Wassergold.
Ich weiß nicht was.
Nur, dass ich müde bin
und Heimweh hab
nach einem blauen Haus
aus Salz und Wind.
Regentag
Ich atme auf. Es regnet wieder.
Die Schnüre bleien über´s Fensterglas.
Der Tag begnadigt mich
mit einer Wasserwand. Sie rinnt
mir vom Gesicht.
Ihr klarer Paravent verhüllt
den Leib zerrenkter Tiere
und wählt nicht aus. Auch nicht der Wind.
Er gürtet grün. Ich klammre mich
an seine Knoten.
Und atme aus: Es regt sich nichts.
Ich suche nicht. Der Lindenbaum
in meinem Herzen lauscht.
Wir sperren Rufe aus
und greifen in die Stille.
Am Ende holzt
ein Ast ans Fenster.
Ich atme ein.
Abschied
Es werfen die Schemen mit Gestern.
Mit Hoffnung. Ein Wort ohne Inhalt. Ein gelbes.
Wir waten durch Blumen. Durch Sterne aus Butter.
Sie ölen den Rost im Geliebe.
Mein Herz ist ein Meißel. Es stemmt
von den Wänden das Huschen, das Nichtmehr.
Das Meer fälscht die Namen, rauscht Leere.
So schaukelt man blutendes Vieh ins Erbarmen.
Wir kleben die Hand an die Brust. Wir zweifeln:
Werd ich sein, wenn die Haut sich begraut,
eine Feder, von Herzwasser schwer?
Und wieder zerspringt eine Stunde, die gelb war.
Sie hackt in die Schatten beim Fallen
und schneidet die Worte für morgen.
Zwölf Scheiben vom Weißbrot. Rosinen.
Ich gieße mir Milch in die Urne.
Niemand
Im Dunkel strahlt die Glasnacht flirrend weiß.
Ich irre traumverloren zwischen Weiden,
zum Flusslauf, wo sich Wiesen frostig kleiden
und Silberschnellen gurgeln unter Eis.
Dezemberzweige fangen schweres Licht,
auf roten Abendflügeln wird es hergetragen.
Siehst du wie vor dem Mond die Wolken jagen?
Ein blasses Bild, das flieht und innen bricht.
Mich treibt es grau dem rausten Ton entgegen.
Der Himmel spielt metallschwarz auf den Wegen
und Westwind trägt mein Pergamentherz fort.
Leer ist das Wort, das in sich selbst gelegen,
wie unbewohnt und nur ein Bettelhort,
ein Kompass, ein Magnet, ein Rätselwort.
Wie es ist
In diesen immer
viel zu späten
Tagen
beklemmt ein milchig
starres Wachs
mein früheres Gesicht,
denn auf dem ausgehauchten
Laub steht bitter
die Erinnerung an Frucht.
Die trockene, poröse
Zeit zerbröselt
meine Brust.
Sie duftet nach
dem Stein
in deiner Hand.
Ein jedes abgeirrte
Lächeln sticht Einsamkeit
in Staub.
Punkt
Also machst du ein Gedicht.
Du schreibst: Ich knülle mein Herz
in die Realität. Und: Ich kotze mir die Knebelsterne
aus dem Mund.
Ja. Punkt.
Und dann ziehst du dein Gesicht
an der Hauswand entlang.
Draußen.
Doppelpunkt
Also siehst du ein Gesicht.
Es scheucht dir zwei Rehe durchs Herz.
Es schwemmt dir das Salz in die Kammern
und zerrt dich ins Meer.
Du stammelst:
Ja. Zieh dein Gesicht
an der Hauswand entlang. Nein.
Nicht draußen!
So hell
Ich schmelze in die Weidenblätter,
so fern bin ich, so hell.
Es redet wer
mir von Venedig und vom Meer.
Ich schau hinaus
und bin das Wetter.
Der Wind
streicht über einen Teich,
durch dünnes Laub.
Die Hand greift in das Licht und raubt sich alles. Nicht
das Bleiche.
Es strahlt, erlischt, schwebt auf die Bretter.
Ein Fleckenpergament,
das mich erkennt:
Wir. Weidenblätter.